Wörterbuch für Systemisches Coaching (Teil 2)

Dort, wo ich beruflich sozialisiert wurde, hat man eine Haltung. Nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich. Ich bin groß geworden mit einem humanistischen Menschenbild: Carl Rogers und Ruth Cohn. Ich habe mich intensiv mit Viktor Frankl und Virginia Satir beschäftigt. All diese Ansätze sind von humanistischen Werten geprägt: Freiheit, Würde und Selbstverwirklichung.
Als ich vor gut 20 Jahren erstmalig mit der soziologischen Systemtheorie in Kontakt kam, war ich sehr irritiert. Welche Werte gibt es hier? Wie steht man hier zum Menschen? Welche Haltung hat man hier?
Weiterlesen: Professionelle Haltung - systemtheoretische Reflexionen
Wörterbuch für Systemisches Coaching (Teil 1)

„Ich arbeite ganzheitlich“ so oder so ähnlich hören oder lesen wir von Coaches. Gemeint ist meist: "Ich sehe den ganzen Menschen" als Einheit von Körper, Geist und Seele. Gedanken, Gefühle, Beziehungen, ja sogar die Rollen in der Arbeitswelt als authentischer Ausdruck der Persönlichkeit gehören dazu und zusammen. Wer sich nur ansatzweise mit der Systemtheorie Niklas Luhmanns beschäftigt hat, erkennt sofort, warum das Wort „Ganzheitlichkeit“ nicht gerade das Markenzeichen von Systemtheoretikern ist. Dazu mehr im folgenden Beitrag.
Transformationsbegleitung (10)

Dieser Satz aus Klaus Eidenschinks "Verunsicherungsbuch" lässt mich als Begleiterin von Veränderungsprozessen länger innehalten. Es gab sofort ein inneres „Ja!“ bei mir: genau dieser Unterschied, der hier gemacht wird, ist aus meiner Erfahrung heraus wesentlich. Dabei scheinen die beiden Botschaften als solches nicht neu – jedoch die Gegenüberstellung der beiden Aussagen. Und: Diese Aussage hat Folgen für einen Coach in der Begleitung von Transformationsprozessen.
Weiterlesen: Loslassen führt zu Schmerz, Festhalten führt zu Leid
Transformationsbegleitung (9)

… sie spielt auch auf der Hinterbühne
„Wir müssen unsere Kultur den neuen Gegebenheiten anpassen.“, so manche Auftraggeber. Als Organisationsberaterin soll ich dabei unterstützen. Es gibt oft eine klare Vorstellung davon, wie die Kultur nachher aussehen soll: Mehr Selbstverantwortung, mehr Kollegialität und Kooperation, schnellere Kommunikation, mehr Potentiale wirksam werden lassen. Klare Sache. Also machen wir einen Workshop dazu – damit werden wir die Kultur verändern. Oder?
Transformationsbegleitung (8)

Hauptsache, ich habe gut performt...
Wer in seiner Biografie an wesentlichen Stellen mehr Zurückweisung statt Anerkennung erfahren hat, fühlt sich ungeliebt. Entweder schämt er sich für seine angeblichen Makel oder versucht den anderen das Gegenteil zu beweisen - durch Leistung. In Organisationen wird die erste Kategorie kaum weit kommen – die zweite jedoch finden wir dort vor, wo Leistung zählt. Erhaben-sein und ein gutes Image überdecken die eigene Verletzlichkeit. Das Individuum performt perfekt – und manchmal demonstriert eine Ansammlung von Performern, die als Team auftritt, ihre symbolische Macht.