Wörterbuch für Systemisches Coaching (Teil 8)

Warum systemisches Denken komplexer ist, als es zunächst scheint
In der alltäglichen Praxis – auch im Coaching – wird häufig in kausalen Zusammenhängen gedacht. Man geht davon aus, dass bestimmte Handlungen bestimmte Wirkungen nach sich ziehen: Wenn wir X tun, entsteht Y. Dieses Denken strukturiert nicht nur viele Interventionen, sondern auch unser Verständnis von Problemen und Lösungen selbst.
Genau an dieser Stelle setzt die funktionale Methode von Niklas Luhmann an – und irritiert dieses gewohnte Bild. Sie ersetzt die Frage nach Ursache und Wirkung durch eine andere, in systemischen Kreisen bereits vertraute Frage:
Für welches Problem ist etwas eine mögliche Lösung – und welche anderen Lösungen wären ebenso denkbar?
Mit dieser Verschiebung verändert sich der gesamte Blick auf soziale Phänomene. Ein Verhalten, eine Struktur oder auch eine Intervention erscheint nicht mehr als Ursache für etwas, sondern als eine mögliche Antwort auf ein Problem, das selbst erst noch bestimmt werden muss. Doch die Komplexität erweist sich als noch höher - wie die KI-generierte Skizze erahnen lässt.
Wörterbuch für Systemisches Coaching (Teil 7)

Hier hat Herr Luhmann einen Teilprozess der Kommunikation mit einem Wort bezeichnet, welches sich im Alltagsverständnis radikal von seinem Verständnis unterscheidet. Genau dieser Unterschied ist es jedoch, der die systemtheoretische Perspektive so gewinnbringend macht.
Wörterbuch für Systemisches Coaching (Teil 6)

Wer dieses Wörterbuch schon eine Weile verfolgt, weiß, dass ich für Coaching relevante Begriffe durch die Brille der soziologischen Systemtheorie Niklas Luhmanns betrachte. Dabei geht es mir zunächst um begriffliche Klärung, denn viele der im Coaching zentralen Konzepte werden im Alltag unscharf oder mehrdeutig verwendet.
Gleichzeitig zeigt sich in meiner Arbeit immer wieder, dass die rein luhmanianisch-systemtheoretische Perspektive allein dem Anspruch von Coaching nicht vollständig gerecht wird. Coaching zielt auch auf die Veränderung von Erleben und Selbststeuerung – und dafür braucht es nicht selten eine Verbindung mit anderen Zugängen.
Mit dem Begriff der Beziehung berühre ich einen Kern des Coachings, der zugleich den Coach selbst als „Instrument der Beratung“ in den Blick bringt und damit auch die eigene Arbeit an sich selbst als Coach einschließt.
Wörterbuch für Systemisches Coaching (Teil 5)

Wer sucht ihn nicht, den Sinn des Lebens? Gerade Coaches beschäftigen sich mit Themen rund um die Lebenskunst. Sinncoaching wird gar als eine eigene Richtung im Coaching genannt. In meinem Buch zur Transformation habe ich die Fokussierung auf eine sinnvolle Zukunft auch in Organisationen als etwas Stabilisierendes beschrieben. All das steht zunächst jedoch auf einem ganz anderen Blatt: dem Blatt der Psychologie.
Wörterbuch für Systemisches Coaching (Teil 4)

Im Anschluss an den vorangegangenen Beitrag zur Psyche in den Neurowissenschaften und in der Luhmann’schen Systemtheorie richtet sich der Blick nun auf die hypnosystemische Perspektive, wie sie vor allem von Gunther Schmidt entwickelt wurde. Diese Perspektive ist für Beratung und Coaching besonders interessant, weil sie Psyche als verkörpertes, emotionales, kognitives und kontextgebundenes Selbstorganisationsgeschehen versteht. Zugleich ist sie anschlussfähig an neurowissenschaftliche Erkenntnisse. Im Folgenden geht es deshalb um vier Fragen: Wie lässt sich Psyche hypnosystemisch definieren? Wie verhält sich dieser Ansatz zu den Neurowissenschaften und zur Hypnotherapie? Worin unterscheidet er sich von Luhmann? Und welche Konsequenzen hat das für die Praxis von Beratung und Einzelcoaching?